Geboren wurde ich 1957 in Wien als ältester Sohn eines Eisenbahners und einer Schneiderin. Ich wuchs zwischen der Nähmaschine und dem Küchentisch, der gleichzeitig Zuschneidetisch war, auf und quälte schon früh meine Mutter mit Fragen zu ihrer Tätigkeit. So lernten wir schon als Kinder Schnitte zeichnen, Stoffteile zuschneiden und heften. In der später sechsköpfigen Familie wurde alles und jedes im Haushalt selbst gemacht, für die Kleidung galt dasselbe. Auch wir Buben wurden von unserer Mutter angehalten, unsere Sachen in Ordnung zu halten, mussten lernen, einen Knopf anzunähen oder eine geplatzte Naht zu schließen. Meine erste Amerikareise 1992 machte mich auf Quilts aufmerksam. Der Wunsch so etwas zu besitzen, veranlasste mich, meine Mutter um die Anfertigung eines Quilts zu bitten. Obwohl wir uns mehrfach darüber unterhielten und gemeinsam verschiedene Muster planten, schob meine Mutter diese Arbeiten immer wieder auf. Als ich 1999 von einer weiteren Reise schließlich einen gekauften Quilt mitbrachte, stellte sie jedes Interesse an dieser „seltsamen” Technik ein. Aber mich befriedigte dieser eine Quilt nicht, er machte höchstens Lust auf mehr. Nach dem überraschenden Tod meiner Mutter im Jahr 2005 begann ich schließlich selbst mit der Planung eines Sampler-Quilts. Mit billigen Stoffen und einfachen Blöcken verbrachte ich meine ersten Stunden an der Nähmaschine. Als Mann in einer Frauendomäne wurde ich beim Besuch von Kursen, Veranstaltungen und Ausstellungen oft zuerst vorsichtig beobachtet, aber letztlich immer herzlich aufgenommen. Mit meinem Beitritt und der Mitarbeit in der Gilde möchte ich den Künstlerinnen und Liebhaberinnen der Textilkunst etwas zurückgeben, was sie mir schon viele Male vermittelt haben – den Spaß an unserer kreativen Arbeit.